Bobersen

Auch Bobersen kann auf eine reiche Vergangenheit zurückblicken. Von den ganz frühen Tagen künden Bodenfunden, so u.a. Urnen sorbischen Ursprungs. 1288 erfolgt die erste Erwähnung der Ortschaft als „Pobrese“, 1308 wird ein „allodium“ genannt, das einem gewissen Raspo gehörte. 1551 findet ein Vorwerk Eingang in die Geschichtsbücher. Zu dieser Zeit besteht die Einwohnerschaft aus „7 besessene(r) Mann, darunter 1 Gärtner, der hat nichts; 5 Häusler, 22 Inwohner“. Inhaber des Obergerichts ist Helfart von Köckeritz. Der Ort ist nach Gröba eingepfarrt. Der dortige Pfarrer erhält  als Einkommen „ein Umgangsbrot und die gewöhnlichen 4 Opferpfennige von jeder Person, die 12 Jahre alt geworden ist.“

 
Zu Zeiten des Besitzes durch den General-Landzeugmeister Georg Ernst von Borau (genannt Kessel) und seiner Ehefrau, einer geborenen von Pflugk, wird 1696 das Schloss erbaut. In diesem Jahr erfolgt auch die Benennung als Rittergut. Als weitere Besitzer werden genannt der Berg-Commissionsrath Jahn zu Marienberg im 18. Jhd., 1752 Graf Friedrich von Zech, 1788 der Kreis-Commissar Graf von Seydewitz. 1798 kaufte das Gut von dem damaligen Besitzer Johann Gottlob von Walther der königl. Sächs. Kammercommissarius Johann Gottfried Fichtner und nachdem dieser am 10. Januar 1829 in Bobersen gestorben war, ging es auf den Kaufmann Friedrich Wilhelm Mogk in Oschatz über, der seit dem 17. Juni 1819 mit Fichtner’s Tochter Wilhelmine vermählt war. Um 1860 ist Frau von Commerstaedt (auch „Kommerstädt“ geschrieben) Eigentümerin und von 1910 bis etwa 1920 Emil Harz. Der Besitz fiel nicht unter die Bodenreform, wurde aber in den Jahren um 1950 zum Volksgut. In das Schloss zog 1953 der Kindergarten ein. Heute steht das Schloss leer, verfällt zusehends und träumt von besseren Zeiten …


Der Ort selbst entwickelte sich. Um 1840 waren es 398 Boberser, die sich von Tagelöhnerarbeit, Schiffahrt und Ackerbau ernährten, es gab 1 Schmied, 1 Fleischhauer, 1 Schuhmacher, Leinweber, Schneider, Zimmerleute, Schiffbauer und Maurer. Die Einwohner betrieben auch etwas Weinbau. Früher gab es eine Windmühle und eine Schiffsmühle, als erster Betreiber der Schiffsmühle tritt 1564 das Rittergut auf. Sie brannte im Jahr 1809 ab und wurde seitdem nicht wieder aufgebaut.

In „Sachsens Kirchen-Galerie“, Inspection Oschatz von 1840 ist über ein weiteres interessantes Detail aus dem Leben dieser Zeit zu lesen: „Bei kirchlichen Verrichtungen (in der Pfarrkirche Gröba) werden die Boberser für einen jährlichen Gehalt von den an der Elbe wohnenden 4 Fährleuten übergefahren, deren jeder einen großen Kahn dazu hält. Für den Fall, dass während der Sperrung der Elbe ein Begräbnis vorfällt, haben sie am Ende des Dorfes einen eigenen Gottesacker, der der Kirche zuständig ist, und erst 1745 benutzt worden zu sein scheint.“ Auf diesem Freidhof beerdigten auch die Bürger aus Lessa ihre Toten, erstmalig am 18. Februar 1763, nachdem sie sich dieses Recht gegen Bobersen gerichtlich erstritten hatten.
Auf dem kleinen Friedhof finden sich heute interessante Grabdenkmale, so die Ruhestätte der Familie Mogk mit einer Tafel für Heinrich Clemens Theodor Mogk 1832 - 1875, Rittergutsbesitzer zu Bobersen und das Erbbegräbnis der Familie Kurze aus Lessa mit dem Grab von Gutsbesitzer Carl Emil Oskar Kurze 1844 - 1908.

Lessa, zwischen Bobersen und dem Eisenbahnviadukt gelegen, wurde 1289 als Herrensitz erstmalig erwähnt. Ursprünglich standen die Häuser des kleinen Örtchns direkt an den Ufern der Elbe zwischen der Eisenbahnbrücke und den Fährhäusern, wo sie Überschwemmungen und Eisfahrten direkt ausgesetzt waren. 1799 und 1800 riß der Gutsbesitzer Johann Georg Kurze die Gebäude seines Gutes nieder und ließ sie an der heutigen Stelle neu errichten. Nachdem die Gebäude seines damaligen Nachbars Johann Friedrich Zimmermann 1820 durch das Eis weggerissen wurden, folgte ihm dieser an die neue Stelle. 1834 gab es in Lessa 25 Einwohner, 1925 waren es 42, am 1.10.1936 erfolgte der Zusammenschluss mit Bobersen.

1827 erbaute Bobersen gemeinsam mit Lessa für 300 Thlr. ein Schulhaus. Vorher fand der Unterricht in gemieteten Räumen durch einen Wandelschullehrer statt, der für mehrere Orte zuständig war. Am 7. Oktober 1827 erfolgte die Weihe durch Pastor Johann Gotthelf Heinicke, 1840 erhielten in 2 Klassen 100 Schüler ihren Unterricht.

Eine besondere Sehenswürdigkeit von Bobersen ist ein Sühnekreuz, östlich an der Lessaer Strasse. Der Sage nach musste ein Schuster als Strafe für einen Totschlag das Sandsteinkreuz errichten, danach wurde er des Ortes verwiesen.Von jeher hat der Ort schwer unter seinem direkten Nachbarn, der Elbe, zu leiden. Überschwemmungen und schwerer Eisgang traten immer wieder auf, zerstörten Häuser und Ernten. Die Döllnitz, die direkt gegenüber dem Ort in die Elbe mündet, vergrößert die Gefahren noch zusätzlich. Eine besonders schreckliche Überschwemmung war im März 1784, als ein Gutsbesitzer in Lessa all sein Vieh, bis auf eine Kuh, verlor. „Ebenso ist in trauriger Erinnerung das Jahr 1804, wo die Elbe um die Erntezeit einen großen Theil der Ernte vernichtete, und das Jahr 1820, wo das Eis in Bobersen und Lessa mehrere Gebäude zerstörte und bei Gröba 3 Wochen lang einen Schutz bildete, über den man hinwegstieg. Auch das Jahr 17x1 war ein trauriges Jahr, denn von Ostern bis zur Ernte traten da wiederholte Ueberschwemmungen ein, so daß alles Heu verdarb, und darauf folgten noch obendrein Mißwachs und Theuerung, ja das Jahr darauf wurden Bobersen, Lessa und ein Theil von Gröba auch sogar von Hagelschlag betroffen.“Und die Geschichte der Flutkatastrophen findet kein Ende – die heutige Generation wird das Jahrhunderthochwasser vom August 2002 nie vergessen. In dem seit 1994 mit Röderau zusammengeschlossenem Röderau-Bobersen wurden 218 vom Hochwasser betroffene Gründstücke erfasst, 31 von ihnen mußten als nur noch eingeschränkt und 78 sogar als unbewohnbar eingestuft werden. 6 Jahre nach dem Unglück, das so viele Menschen betroffen hat, präsentiert sich der Ort mit neuen Farben, sind die meisten Schäden beseitigt, pulsiert das Leben wieder mit aller Kraft. Mit genau der Kraft, die den Menschen an der Elbe immer wieder auf die Beine geholfen hat und die den besten Beweis für ihre Heimatliebe und die Treue zu Ihrem Land ist.