Röderau

 … aus der Geschichte von RÖDERAU
 
1Die erste Erwähnung fand der Ort um 1186/90 bei der Nennung von Heithenricus de Retherowe, villa Rehterowe. Bereits 1185 bestand offensichtlich eine Filialkirche von Riesa. Eine andere Quelle geht davon aus, dass um 1186 in „Rederowe“ ein „Kirchlein von Holz“ in der Nähe des heutigen Ortseinganges, links der Hauptstraße, als Außenstelle des Klosters Riesa existierte. Dieser Standort war so niedrig, dass die Kirche oft von Elbüberschwemmungen erreicht und beschädigt wurde. Teilweise stand in solchen Momenten das Wasser bis „2 Ellen hoch“. Und deshalb wurde das Kirchlein 1738 „fast neu erbauet“, doch währte die Freude lediglich 46 Jahre, da am 1. März 1784 die Kirche durch eine große Eisfahrt fast komplett weggerissen wurde. Altar, Taufstein und das meiste Holzwerk wurde fortgeschwemmt (der Altar landete an einer Brücke in Sorgau, der Kirchturm bei Lorenzkirch), nur das Chor und ein Teil der Mauer blieben stehen.
Der Kirchneubau erfolgte deshalb neu und massiv auf einer Anhöhe oberhalb des Dorfes. Für 1785 Thlr. und 16 Gr. entstand bis zur Weihe am 19. November 1787 eine recht freundliche Kirche, „einfach, hell und geräumig und auch ihr Äußeres fällt angenehm in die Augen, besonders nachdem an dieselbe später ein Glockenturm neu angebaut worden ist.“ Kurioser Weise hatte der frühere, etwas von der alten Kirche abseits stehende Glockenturm die damalige Katastrophe überstanden. Ein Feuer am 22. März 1812 vernichtete ihn und die zwei Glocken (eine andere Quelle nennt als Brandjahr 1811). Durch die danach eintretenden Kriegswirren verzögerte sich der Baubeginn des Turmes bis zum 9. April 1817, die Einweihung konnte bereits am 25. August 1817 begangen werden.

Kirchenbaurat Quentin aus Pirna baute vom März 1903 bis Dezember 1904 die Kirche für 30000 Mark um. Es entstand ein Tonnengewölbe im Kirchenschiff, neue Aufgänge zu den Emporen, die Sakristei, eine neue Turmhaube und eine neue Orgel.

4Den Weltkriegen fielen die Bronzeglocken (bis auf die kleinste Glocke), wie in vielen anderen Kirchen auch, zum Opfer und im März 1945 wurden außerdem durch Beschuss Kirchturm und Kirchendach schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1964 wurden vier stählerne Glocken geweiht, 1987 bis 1995 konnte eine Außenrenovierung der Kirche erfolgen und von 1992 bis 1995 die Renovierung des Innenraumes, bei der bis ins Detail ein Rückbesinnung auf die Ausstattung von 1904 erfolgte. Eine besondere Zierde der Kirche sind die beiden Seitenfenster im „Nazarener“-Stil, eine Abendmahlskanne, datiert 1713, der Altar und der Kanzelaufbau von 1886, sowie eine pneumatische Jehmlich-Orgel mit zwei Manualen.


Aber auch der Ort selber entwickelte sich in den Jahren seines Bestehens. Gab es 1551 in Röderau 9 besessene(r) Mann, 1764 dann 7 besessene(r) Mann und 8 Häusler, so waren es 1834 schon 134 Einwohner.

In Sachsens Kirchen-Galerie, den Kirchenvisitationen aus den Jahren um 1840, ist zu lesen: „Röderau, früher auch Rederau geschrieben, besteht aus 7 Gütern und 12 Häusern nebst einer Windmühle und einer Ziegelscheune. Das Dorf hat zwar fruchtbare Felder und auch etwas Wiesewachs, ist aber den Elbüberschwemmungen zum Theil sehr ausgesetzt. Durch dieselben sind mehrere Feldstücken, welche sonst Waizen trugen, in kärglichen Boden verwandelt worden. Nachdem jedoch der Damm von Moritz und Promnitz erbaut worden ist, hat sich die Gefahr bedeutend vermindert. Das nicht unbeträchtliche Gemeindeholzland ist kürzlich getheilt worden. Von Feuersbrünsten ist das Dorf mehrmals betroffen worden: 1780 brannten von Blitze getroffen, der auch einen Ochsen tödtete, zwei Bauerngüter ab; 1811, 1833 und 1834, in letzterm Jahre zweimal, zerstörten Feuersbrünste wahrscheinlich freventlich angelegt, einen großen Theil des Dorfes, so daß es nur 2 Güter und 4 Häuser giebt, welche davon verschont geblieben sind. Die Einwohner an der Zahl etwa 150 haben durch die nah vorbeigehende Eisenbahn, welche hier durch einen langen auf 64 Pfeilern ruhenden Viadukt einen schönen Anblick gewährt, zum Theil eine neue Quelle des Erwerbs erhalten. Unter ihnen befinden sich mehrere Handwerker, ein Schmidt, Wagner, Leinweber und einige Maurer und Zimmerleute.“

1890 stieg die Einwohnerschaft auf 765 Personen, um bis 1946 auf den Höchsttand von 3033 Einwohnern zu steigen. 1938 wurde Promnitz, 1970 Moritz eingemeindet, 1994 erfolgte der Zusammenschluss mit Bobersen. 2007 lebten in Röderau-Bobersen 1904 Einwohner.

Über das teilweise recht gefährliche Leben an der Elbe wurde bereits berichtet. Der heute lebenden Generation wird die Jahrhundertflut im August 2002 unvergesslich in Erinnerung bleiben. Von 218 durch das Hochwasser geschädigte Grundstücke in Röderau-Bobersen mußten 31 als eingeschränkt bewohnbar und 78 als unbewohnbar eingeschätzt werden. Dank der ungeheueren Hilfsbereitschaft und den vielen Spenden konnten die Schäden beseitigt und der Ort schöner denn je wieder durch den Fleiß ihrer Bewohner auferstehen. Nur an den Ortsteil Röderau-Süd erinnert heute überhaupt nichts mehr – er wurde zurückgebaut, die Elbaue ist leer wie vor langer Zeit ...

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