Jacobsthal

JacobsthalAus der Geschichte von Jacobsthal

Da die Geschicke von Jacobsthal stets mit Kreinitz und Lorenzkirch eng verbunden war, seien hier nur auf abweichende oder ortspezifische Belange eingegangen. Die genauere Abfolge der Besitzverhältnisse finden sich unter der Geschichte von Kreinitz.

seit ca. 1300 v.d.Z. finden sich Spuren einer Besiedlung in der Nähe des Gatterberges am ehemaligen Flussufer, die auf ein größeres Dorf mit langer, kontinuierlicher Besiedlung schließen lassen.
1341 erste urkundliche Erwähnung von Kobethal in einer Lehnsübergabe von Teilen des Dorfes an Konrad von Kokeritz. Vormals müssen Verbindungen zum Kloster Mühlberg bestanden haben, wie aus alten Flurnamen und zu zahlendem Zehnt hervorgeht.
1350 wird Kobital erwähnt,
1406 Kobental.

Jacobsthal1535 klagt die Bürgerschaft Mühlbergs gegen den „Kretzschmar zu Kofenthal wegen des Brauens in Kofenthal“.
1548 Im „Jagdschiede“ zwischen dem Kurfürsten und Otto Pflugk zu Strehla werden die Jagdrechte auf die Sau- und Rehjagd in der Gohrischheide dem Kurfürsten zugesprochen. Die Familie Pflugk behält das Recht „nur auf seinen und seiner Untertanen und Leute Gütern zu Kobenthal“.
1551 leben hier 17 besessene(r) Mann, 2 Häusler, 24 Inwohner.
1635 In der Zeit des 30-jährigen Krieges wird das Land durch die in der Gegend von Torgau lagernden schwedischen Truppen verwüstet, wobei 2/3 der Bevölkerung der Dörfer umkommen.
1679 geht aus dem Erbregister des Rittergutes Kreinitz hervor, dass das Dorf 43 1/2  Hufen mit 27 Familien umfasst, darunter 15 Bauern, 2 Halbhüfner und 10 Häusler.
1688 wurden die Bronzeglocken in A, D und Fis der alten Kirche von Andreas Herolden (eine andere Quelle nennt Weinhold) aus Dresden gegossen.

1716 wird St. Jacobsthal genannt. In der alten Schrift steht zu lesen: „Zu St. Jacobsthal wird in der Halle ein hölzerner, mit Eisen beschlagener Wagebalken gezeigt, auf welchem die Kinder, die zum heiligen Jacobo gebracht wurden, gegen Wachs, Flachs und dergleichen anderen Waren abgewogen wurden, und geschah das deswegen, damit die Kinder durch Fürbitte des heiligen Jacobus desto besser wachsen und zunehmen möchten…“ Auch wird berichtet, dass Jacobsthal einst ein Wallfahrtsort gewesen sei, zu dessen „Heiligen Born“ oder auch „heiligen Brunnen“ die Menschen von weither kamen, um dessen Wasser zu trinken oder sich damit zu waschen und so „allerlei Leibesgebrechen und Krankheiten“ zu heilen. Dafür wurden der Kirche mancherlei Geschenke gemacht. Daher und aus dem Waagebalken soll das einstige sehr ansehnliche Kirchenvermögen stammen.
1730 findet das Lustlager August des Starken statt, bei dem die umliegenden Dörfer für die Proviantierung der Truppen sorgen müssen.  Das Vorwerk Kleintrebnitz wird erstmals erwähnt.
1776 am 16. April erstattet Kirchvater Johann Gottfried Richter beim Kreinitzer Gericht Anzeige, in der es heißt: „Der Kirchturm ist seit einiger Zeit so schadhaft, dass der Kinderlehrer ohne Besorgnis, es möchte derselbe einstürzen, nicht einmal mehr läuten kann.“ Es stellte sich heraus, dass der Giebel des Kirchdaches einen neuen Turm nicht hätte tragen können. Der Bau eines massiven Kirchturmes wurde beschlossen. Bei Baubeginn zeigten sich aber die Mauern der Kirche, sie stammte aus Zeiten vor der Reformation, als „von Grund aus ganz schlecht und haltlos“.
1777 schlagen Jacobsthaler Bauern unberechtigt Holz im Weiber-Busch des Rittergutes Kreinitz.
1779 am 2. August erfolgte deshalb die Grundsteinlegung für einen kompletten Kirchenneubau durch den Kirchenpatron Curt Gottlob Graf von Seydewitz. Der Bau in heutiger Gestalt war am 12. Oktober
1780 soweit gediehen, dass der Knopf und die Fahne auf den Turm aufgesetzt werden konnten. Davon kündet eine der Urkunden im Turmknopf. Die Übernahme der durch Maurermeister J. G. Dietrich aus Mühlberg und Zimmermeister J. Chr. König aus Bobersen und weiteren Meistern aus Hayn, Meissen und Lorenzkirch erbauten neuen Kirche fand am 8. Dezember
1781 statt. Trotz inständiger Bitte der Gemeindeglieder konnte die Weihe erst am 29. September
1782 stattfinden, da die Orgel von Orgelbauer Flemming aus Torgau nicht früher fertig gestellt wurde.
1791 wird Cobenthal, Jacobsthal genannt.

1817 am 30. April abends gegen 10 Uhr brach ein großes Feuer bei Hüfner J. Chr. Schmidt aus, in dessen Verlauf der 14-jährige Dienstjunge J. G. Riedel aus Kreinitz im Pferdestall verbrannte. Zwei Güter daneben und zwei gegenüberstehende Gehöfte wurden in Schutt und Asche gelegt. Die in der Mitte gelegene Kirche wurde ebenfalls sehr beschädigt. 4 Monate später, am 9. September 1817 Mittags ¼ auf 1 Uhr loderte in der Scheune von Hüfner Hempel ein gewaltiges Feuer auf, in dessen Folge „14 ihre Wohnungen, ihre vollen Scheunen und eine Menge Sachen, so dass es ihnen an Samen, Brodt und Futter gebrach. Die Glut ergriff hier auch die Schule, die ganz ein Schutthaufen wurde. Dadurch wurde auch die Kirche wieder beschädigt und vorzüglich sehr beräuchert … Der (gesamte) Schaden wurde … gegen 1100 Thaler geschätzt. Eine auf den 18. Oktober 1818 datierte und im Turmknopf befindliche Urkunde berichtet von den Bränden und den Reparaturen der Schäden.
1834 leben 279 Einwohner in dem Dorf.

Jacobsthal 19381836 wurde das Gebälk Turmkuppel und deren Bedachung erneut als sehr schadhaft befunden und für rund 1414 Thaler repariert. Auch die Sonnenuhr wurde in diesem Jahr installiert, die Zeigertafeln der Uhr, sowie der Turmknopf, die Fahne und der Stern auf der Spindel wurden vergoldet. Davon berichtet eine weitere Urkunde im Turmknopf, datiert auf den 7. November 1836.
1841 hat der Ort 17 Bauerngüter, 1 brauberechtigte Schenke, 1 Schmiede, 1 Windmühle, 22 Gärtner und Häusler.
1845 ist die neue Schule erbaut worden, zunächst nur als eine Wohnung mit Erdgeschoß.
1847/48 Bau der Eisenbahnlinie Röderau – Berlin.
1867 erhält die Schule ein zusätzliches Stockwerk.
1871 ist die Einwohnerzahl auf 360 gestiegen.
1875 wird Jacobsthal (Kobenthal) erwähnt. Der Truppenübungsplatz wird auf Jacobsthaler Flur vergrößert.
1879 am 31. August berichtet die 4. Urkunde aus dem Turmknopf: „Die Nähe des bald glücklich erreichten 100 jährigen Jubeltages der Erbauung dieses Gotteshauses hat die derzeitigen Mitglieder des Kirchenvorstandes bewogen, das unscheinbar gewordene Äußere desselben insbesondere des Thurmes, wieder in würdiger Weise herstellen zu lassen.“ Weiter ist zu lesen: „Wir leben jetzt in keiner religiös und politisch glücklichen Zeit; zwar haben wir seit 1871 ein geeinigtes Deutsches Reich, aber in Folge einer vielfach gepriesenen Freisinnigkeit mehrfache Gesetze, welche unser Wohl nicht in gewünschter Weise fördern, alle Abgaben ungewohnt steigern, der Religionslosigkeit Vorschub leisten, daher jetzt so eine Wildheit und Zügellosigkeit.“
1890 sinkt die Einwohnerzahl auf 338.
1899 wurde die Kirche innen erneuert und mit einer neuen Orgel der Fa. Hermann Eule aus Bautzen versehen.

Aktie Klinkerwerk 1928
Windmühle um 1920


Skatrunde bei Müllers 1928

1909 erfolgt der Einbau einer neuen Turmuhr.
1910 hat der Ort 325 Einwohner.
1911 erhält die Kirche elektrische Beleuchtung und neue Blitzableiter. Die Fahne sowie die Kugel werden ebenfalls repariert.
1922 werden die jetzigen Glocken von einer Bochumer Gußstahlfabrik gegossen.
1925 leben 337 Menschen im Ort, davon sind 336 ev.-luth. und 1 kath. Religion.
1927 erfolgt eine Umdeckung der Kirchturmspitze.

 

1930 gab es folgende dörfliche Industrie: 1 Ziegelei (Konkurs 1930), 2 Kirschernte 1935Zementwarenfabrikanten (am Bahnhof), 1 Industriewäscherei (am Bahnhof), 1 Niederlage der landwirtschaftlichen Genossenschaft Strehla (am Bahnhof), 2 Tischlereien, 1 Windmühle, 2 Futtermittelhändler, 1 Bäcker- und Kolonialwarenhändler, 2 Kolonialwarenhändler, 3 Gaststätten (im Dorf, „Hasenschänke“ am Bahnhof, „Waldfrieden“ in der Sorge), 1 Flaschenbierhändler, 1 Schmiede, 1 Schneiderin, 1 Schiffseigner, 1 Hausschlachter, 1 Gärtnerei. Nach dem II. Weltkrieg gab es in kurzer Zeit keine größeren Betriebe außerhalb der Landwirtschaft.
1933 385 Einwohner
1934 wird der Schornstein der Ziegelei umgelegt.
1939 werden 453 Einwohner gezählt.

 1941-1945 wurde das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager Stalag 304 für bis zu
30.000 sowjetische Kriegsgefangene durch gezielte Unterernährung und Seuchen zum Todeslager.

Auch 849 Italiener, 44 Polen und 12 Serben sterben hier.

 
Milchkannenplatz
Dorfplatz um 1950

1946 561 Einwohner
1950 584 Einwohner
1952/53 Zusammenlegung der Schule mit Kreinitz. Seit dieser Zeit wurde nur noch die Unterstufe in Jacobsthal unterrichtet und zwar im Wechsel mit Kreinitz.
1953 Gründung einer LPG Typ III. Am 25. Mai wird die FFw Jacobsthal gebildet, die schnell auf 17 Mann anwuchs.
1954 werden die vormals bunten Altarfenster durch eine Detonation auf dem Truppenübungsplatz beschädigt.
1955/56 Bau der Buswartehalle für die Linie Mühlberg - Riesa
1957 wird das Vorwerk Kleintrebnitz nach Jacobsthal eingemeindet.
1961 Umdeckung der Kirchturmspitze und Erneuerung der Blitzschutzanlage. Im selben Jahr entstehen 2 LPG’s Typ I.
1964 536 Einwohner
1967 Scheunenbrand auf dem Grundstück "Ertel".
1969 fand die letzte Einschulung statt. Die Genossenschaften mehrerer Dörfer wurden zusammengeschlossen.

Winter
Weidenernte Kleintrebnitz

Anfang 70er existiert Kleintrebnitz nicht mehr. Im Zuge der militärischen Nutzung wurde das Vorwerk zerstört.
1971 wird der neue Kindergarten bezugsfertig.
1973 erhält die Feuerwehr ein werksneues Fahrzeug vom Typ B 1000.
1975 Errichtung des Feuerwehrdepots. In diesem Jahr ereignet sich ein großer Waldbrand am Sprengplatz.
1977 am 1. November wird das neue Feuerwehrgerätehaus eingeweiht.
1979 Bau der Straße zum Bahnhof.
1982 wird der große Dorfteich ausgebaggert.
1982/83 gründliche Erneuerung der Kirche und des Turmes mit neuem Putz, Kugel und Wetterfahne werden erneuert.
1983/84 Anschluß an die zentrale Wasserversorgung durch das Fichtenberger Wasserwerk.
1986 Fertigstellung der Kinderkrippe.

Postkartenansicht um 1980
Winter an der Försterei

Postkarte1991 zerstört eine Detonation auf dem Truppenübungsplatz die Altarfenster endgültig.
1990 326 Einwohner
1994 Zusammenschluß mit Kreinitz, Lorenzkirch und Zeithain. Die Jacobsthaler OF erhält ein Löschfahrzeug (LF 8) "Robur", Baujahr 1979 von den Glaubitzer Kameraden.
1995 wird in der Kirche die große Loge links neben dem Altarraum (einst Herrschaftsloge und Betstübchen) renoviert. Sie dient im Winter als Gottesdienstraum.
1997 wird die Orgel der Kirche wieder bespielbar gemacht, nachdem sie 20 Jahre ungenutzt gewesen war. Auf der Ortsverbindungsstraße Jacobsthal - Fichtenberg ereigneten sich in diesem Jahr drei schwere Verkehrsunfälle, wobei vier Todesopfer zu beklagen waren.
2003 wurde die Ortsfeuerwehr Jacobsthal 15 mal gerufen, davon 14 mal zu Waldbränden.
2007 257 Einwohner
2008 250 Einwohner